Ab wann ist ein Kind fernsehsüchtig? | © panthermedia.net / inesbazdar

Hilfe, mein Kind ist fernsehsüchtig! – Diagnose, Ursachen und Lösungen

Fernsehsucht ist die Volkskrankheit der jungen Generation! Zumindest wenn man nach den Meinungen der Eltern geht. Der Sucht-Begriff wird nirgendwo schneller in den Mund genommen als beim Thema Medienkonsum. Doch ab wann kann wirklich von einer Sucht gesprochen werden? Wie viel Fernsehen ab welchem Alter ist in Ordnung, was ist zu viel und wie sehr muss ich mein Kind dabei einschränken? Habe ich letztendlich vielleicht Schuld an der vermeintlichen Sucht meines Kindes? Diesen Fragen gehen wir im Folgenden auf den Grund.

„Mama, darf ich fernsehen?“, fragt das Kind im Bettelton und schaut uns von schräg unten mit seinen großen Hundeaugen an. Die Mutter bereitet gerade das Abendessen vor und wittert ein paar Minuten Ruhe für sich und ihre Arbeit. „Na gut.“, sagt sie. „Aber nur 20 Minuten!“. Während sich das Kind fröhlich vor der Flimmerkiste platziert, fragen wir uns als Eltern, was wir falsch gemacht haben, dass sich das Kind nicht anderweitig beschäftigen kann.

Ist es wirklich eine Sucht?

Fernsehsucht bei Kinder | © panthermedia.net / avemario

Fernsehsucht bei Kinder | © panthermedia.net / avemario

 

Die Kinder der meisten Eltern, die die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, weil sie ihr Kind für hoffnungslos der Fernsehnsucht verfallen halten, sind es gar nicht. Experten betiteln ein Konsumverhalten erst als Sucht, wenn der vermeintlich Süchtige den Wunsch äußert damit aufzuhören, weil er merkt, dass es zu viel wird, dann aber feststellt, dass er es nicht kann. Eine Sucht ist es auch, wenn private, berufliche oder familiäre Verpflichtungen für den Konsum vernachlässigt werden. Sitzt das Kind also lieber vor dem Fernseher, als sich mit seinen Freunden zu treffen, auf den Geburtstag seiner Oma zu gehen oder seine Schulaufgaben zu machen, kann es sich um eine Sucht handeln. Jetzt werden die meisten Eltern natürlich aufhorchen, aber keine Sorge: Jedes Kind würde lieber seine Lieblingssendung im Fernsehen anschauen als seine Matheaufgaben zu rechnen.

Auch Entzugserscheinungen können bei einem fernsehnsüchtigen Kind auftreten. Ist es nur entspannt und ausgeglichen, wenn es vor dem Fernseher sitzt und schnell gereizt und grummelig, wenn der Fernseher aus ist? Erkennt ihr als Eltern eine sofortige Entspannung beim Kind sobald der Fernseher eingeschaltet ist? Treffen neben der Sache mit den Schulaufgaben eines oder mehrere weitere Symptome auf, so kann es sich um eine wirkliche Sucht handeln.

Wie viel Fernsehen ist erlaubt?

Grenzen setzen | © panthermedia.net / vadimphoto1@gmail.com

Grenzen setzen | © panthermedia.net / vadimphoto1@gmail.com

 

Bei der Frage, wie lange ein Kind fernsehen darf, gibt es die verschiedensten Meinungen. Die einen sind der Ansicht, dass zwei Stunden am Tag in Ordnung sind, die anderen verbieten es ihren Kinder gänzlich, sich vom Fernseher berieseln zu lassen. Grundsätzlich kommt es aber darauf an, wie alt das Kind ist. Im Kindergartenalter kann man auf den Fernseher ganz verzichten. Hier erzielen Bücher und praktische Beschäftigung viel bessere Lernresultate, als es beim Fernsehen der Fall wäre. In der Grundschule können dann vorabendliche Sendungen wie „Sandmännchen“ o.ä. geschaut werden. Mehr als 20 Minuten sollten es aber nicht sein. In der Grundschule würden wir dazu raten, die Kinder fern von typischen Kindersendern zu halten, sondern die Sendungen lieber auf DVD zu schauen. In der Werbung sieht es sonst jeden Tag neues und aufregendes Spielzeug, dass es unbedingt jetzt sofort und auf der Stelle haben muss und welches dann eine Woche später in der Kiste der vergessenen Spielsachen landet.

Bis zum 16. Lebensjahr sollte der Fernsehkonsum zwei Stunden oder einen ganzen Spielfilm nicht überschreiten. Zwischen 16 und 18 Jahren werden die meisten Teenager sich von den Eltern ihren Medienkonsum nicht mehr vorschreiben lassen, bzw. die Eltern durch Smartphone & Co. nur noch einen geringen Einfluss haben.

Eltern, bleibt stark!

Grenzen setzen beim Medienkonsum | © panthermedia.net / Andras Gyula Csontos

Grenzen setzen beim Medienkonsum | © panthermedia.net / Andras Gyula Csontos

 

Kinder wissen sehr schnell, wie sie uns mit einem bestimmten Blick oder Tonfall dazu kriegen, ja zu sagen. Aber auch beim süßesten „Bitte, bitte-Lächeln“ müssen wir stark bleiben. Ansonsten lernen die Kinder, dass sie nur lange genug fragen müssen bis ihre Eltern endlich einwilligen. Zudem ist es so verlockend, die Kinder einfach vor den Fernseher setzen, um mal eine halbe Stunde für sich zu haben. Sei es um ein Nickerchen zu machen, in Ruhe zu duschen oder einfach nur ohne Störungen den Haushaltsarbeiten nachzugehen. Auch wenn es bequem ist, die Kinder vorm Fernseher zu „parken“, sollten wir dieser Versuchung doch in jedem Fall widerstehen. Bringt stattdessen euer Kind dazu, sich entweder mit sich selbst zu beschäftigen (malen, basteln, lesen) oder euch, z.B. beim Kochen, zu helfen.

Fazit

Nur weil ein Kind gerne fernsieht und des öfteren die Eltern danach fragt, heißt das noch lange nicht, dass das Kind fernsehsüchtig ist. Um von einer Sucht zu sprechen, müssen viele Symptome zusammen kommen, was nur in den wenigsten Fällen der Fall ist. Fakt ist aber, dass wir den Fernsehkonsum unserer Kinder auf jeden Fall im Blick haben sollten und ihn, je nach Alter einschränken müssen. Wenn die Kinder sich den ganzen Tag anderweitig beschäftigt haben, gespielt oder euch spielerisch im Haushalt geholfen haben, spricht auch nichts mehr dagegen, sich am Abend zusammen einen kleinen Film anzusehen.

About Simon Schröder

Simon ist ein begeisterter Vater. Durch seine frühere Arbeit in einer Behörde kennt er zudem viele staatliche Leistungen und schreibt gerne über die Möglichkeiten wie man Kindergeld, Elterngeld oder Kinderzuschlag beantragen kann. Darüber hinaus ist er ein Technik-Fan und hat durch seinen Sohn schon viele Babyartikel testen dürfen. Auf Elternchecker.de teilt er seine Erfahrungen zu den Kinderprodukten und freut sich über jedes Feedback.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.