Internat – Große Chance oder nur Heimweh?

„Benimm dich, sonst schicken wir dich ins Internat!“. Diese Drohung haben schon viele ungehorsame Kinder zu hören bekommen. Heutzutage werden Internate aber zum Glück eher als große Chance und Privileg, als als Bestrafung angesehen. Ein Internat bietet eine großartige akademische Ausbildung mit ganz besonderem Flair. Ihr habt euch immer schon gefragt, wie der Alltag in einem Internat abläuft und welche Vorteile das für die weiterführende akademische Laufbahn hat? Im Folgenden findet ihr alle wichtigen Infos auf einen Blick.

Was macht ein Internat aus?

Ein Internat ist einfach ausgedrückt eine Schule, in der die Kinder auch wohnen und leben. Das Ziel eines Internats ist es, die Schüler pädagogisch und akademisch intensiver fördern zu können, als es im Rahmen einer normalen Halbtagsschule möglich ist. Das Gemeinschaftsleben der Schüler steht dabei im Vordergrund. Oft sind an einem Internat Stufen für alle Altersklassen gemeinsam angesiedelt. Die Kinder verbringen die meiste Zeit im Internat und beschäftigen sich mit Lernen und Hausaufgaben, aber auch mit einem breitgefächerten Angebot an Freizeitaktivitäten. Nur an bestimmten Wochenenden und in den Schulferien fahren die Kinder nach Hause zu ihren Familien.

Eine allgemeingültige Beschreibung eines Internats kann man jedoch nicht liefern, denn jede Einrichtung ist anders. In Deutschland gibt es etwa 250 Internate, die sich entweder in staatlicher oder privater Trägerschaft befinden und die meist auf ein ganz bestimmtes Ziel ausgelegt sind, nach der sich das pädagogische Konzept oder die Freizeitgestaltung richtet. So gibt es beispielsweise Internate speziell für die Förderung von Hochbegabten, von Hochleistungssportlern oder von musikalischen Talenten. Aber auch über die pädagogische Ausrichtung kann sich ein Internat, wie ein Waldorf-Internat, definieren.

Wie sieht ein Internatsalltag aus?

Essen im Internat | © PantherMedia / HighwayStarz

Der Alltag auf einem Internat ist natürlich immer stark abhängig von der jeweiligen Schule. In den meisten Fällen ist er jedoch durch einen strukturierten Tagesablauf klar definiert. Das schafft Routine und gibt den Schülern Sicherheit. Ein beispielhafter Tagesablauf könnte folgendermaßen aussehen: Morgens haben die Schüler einen Zeitrahmen, in dem sie aufstehen, sich anziehen und fertig machen fürs gemeinsame Frühstück. Das erfolgt oft in einem großen Saal. Je nach Internat beginnt der Unterricht dann zwischen acht und neun Uhr. Die Klassen sind bei weitem nicht so groß wie in normalen Schulen, oft gibt es stattdessen ein Kurssystem, durch das die Schüler zur eigenständigen Organisation ihrer Unterrichtsinhalte motiviert werden. Das fördert Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.

Nach dem schulischen Teil folgt in vielen Internaten die Förderung der sportlichen, musikalischen oder künstlerischen Fähigkeiten. Auch Freizeitclubs sind auf Internaten sehr beliebt. Dabei werden besonders die jüngeren Schüler natürlich die ganze Zeit betreut. Die älteren dürfen sich auch mal für einen Besuch in der Stadt abmelden. In manchen Einrichtung helfen die Schüler auch beim Putzen der Gemeinschaftsräume oder beim Eindecken des Speisesaals. Am Abend gibt es dann noch einmal Zeit, um die Hausaufgaben zu erledigen und sich auf den nächsten Tag vorzubereiten. Die Wochenenden sind weniger strukturiert, sodass die Schüler*Innen mehr Zeit für eine individuelle Freizeitgestaltung haben.

Internate im Ausland

College in England | © PantherMedia /
Harvepino (YAYMicro)

Spätestens seit den Harry Potter-Filmen hat doch jeder Schüler schon einmal davon geträumt, eine Schule wie Hogwarts zu besuchen. Die alten Gemäuer mit den weiten Ländereien begeistern nicht nur die Eltern, auch die Schüler selbst wissen das besondere Ambiente der historischen Gebäude zu schätzen. Viele davon findet man in England. Dort gibt es inzwischen über 2000 Internate. Im Gegensatz zu Deutschland werden Kinder in England nicht „aufs Internat geschickt“, es wird ihnen ermöglicht. Besonders die privaten Eliteinternate genießen einen hervorragenden Ruf. Eines der beliebtesten Internate ist das Malvern College, wunderschön gelegen in den Malvern Hills. 25 % der 650 Schüler*Innen kommen aus anderen Ländern, etwa 80% sind Internatsschüler, sie wohnen also auch auf dem Campus. Wer seinem Kind einen Internatsbesuch im Ausland ermöglichen möchte, der sollte sich das Malvern College auf alle Fälle mal genauer anschauen. Es wird als eine großartige Schule für ehrgeizige, engagierte Schüler mit internationalem Outlook beschrieben. Aber Achtung: Internatsschulen sind im Ausland zwar beliebter, dafür aber auch deutlich kostspieliger als in Deutschland.

Nachteile eines Internats

Auch wenn das Konzept einer Internatsschule viele Vorteile hat, so ist es doch nicht für jedes Kind geeignet. Viele Internatsschüler plagt das Heimweh zu ihren Familien. Auch wenn das bei vielen schnell verfliegt und sie sich im Umfeld mit gleichaltrigen Schülern sehr wohl fühlen, können andere Kinder den Gedanken an Zuhause nur schwer loslassen. Ein Internat bietet für die Heranwachsenden nur wenige Rückzugsmöglichkeiten. Eltern, die ihrem Kind einen Aufenthalt im Internat ermöglichen wollen, müssen sich zudem darüber im Klaren sein, dass sie die Erziehung ihres Kindes damit in fremde Hände legen.

Fazit

Internate haben oft leider noch immer den Ruf einer pädagogischen Strafanstalt. Dabei ist in den meisten Fällen das Gegenteil der Fall. Die Internatsschüler entwickeln bei ihrem Aufenthalt ein großes Maß an Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Sie lernen, wie sie sich ihre Lerninhalte selber auf- und einteilen und entwickeln sich zusammen mit ihren Mitschülern zu einer eingeschweißten Gemeinschaft. Ein besonderer Vorteil sind zudem die vielfältigen Freizeitaktivitäten, durch die die Kinder in ihren besonderen Interessen und Fähigkeiten gefördert werden.

About Simon Schröder

Simon ist ein begeisterter Vater. Durch seine frühere Arbeit in einer Behörde kennt er zudem viele staatliche Leistungen und schreibt gerne über die Möglichkeiten wie man Kindergeld, Elterngeld oder Kinderzuschlag beantragen kann. Darüber hinaus ist er ein Technik-Fan und hat durch seinen Sohn schon viele Babyartikel testen dürfen. Auf Elternchecker.de teilt er seine Erfahrungen zu den Kinderprodukten und freut sich über jedes Feedback.

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